Zusatzbezeichnung Psychotherapie, fachgebunden

In Deutschland gibt es zwei sogenannte psychotherapeutische Richtlinienverfahren: Psychodynamisch (also tiefenpsychologisch fundiert oder psychoanalytisch) und verhaltenstherapeutisch. In der aktuellen Psychotherapieforschung entfernt man sich immer weiter von diesen durch verschiedene Schulen geprägten Konzepten und entwickelt störungsspezifische Vorgehensweisen. In der Weiterbildungsordung gibt es nach wie vor eine strikte Trennung, wobei wir in beiden Weiterbildungsreihen immer auch Grundlagen der jeweils anderen Vorgehensweise vermitteln.

Tischdiskussion

Von wenigen Ausnahmen abgesehen gilt: Die Beziehung Therapeut – Patient wirkt sich stärker auf den Erfolg der Therapie aus als das Verfahren.

Im Mai 2003 wurde auf dem 106. Deutschen Ärztetag eine Änderung der Musterweiterbildungsordnung beschlossen und die Zusatzbezeichnung Psychotherapie durch die Zusatzweiterbildung fachgebundene Psychotherapie ersetzt. Für Ärzte ist diese im Vergleich zur alten Zusatzbezeichnung ‚Psychotherapie‘ vom Inhalt und Umfang deutlich reduziert worden (z. B. kein Psychiatriejahr, kein zweites therapeutisches Verfahren). Dadurch wurde der Erwerb dieser Zusatzweiterbildung in begrenzterem zeitlichem und finanziellem Umfang für viele Ärzte möglich. Die fachgebundene Zusatzbezeichnung Psychotherapie soll dazu befähigen, Patienten des eigenen Fachgebietes psychotherapeutisch zu betreuen; sie befähigt nicht dazu, sich in rein psychotherapeutischer Praxis niederzulassen.

Auf dem Ärztetag im Mai 2018 wurde die Wiedereinführung der „alten“ Zusatzbezeichnung Psychotherapie beschlossen. Die einzelnen Landesärztekammern sind nun mit der Umsetzung und der Festschreibung der geforderten Inhalte beschäftigt.